Dienstag, 11. Januar 2011

Tag 2

Heute ging es weiter mit der Theorie... vor allem Kommunikation und Verhalten stand auf dem Programm

Angefangen mit Doku im RD
Dokumentiert wird in folgenden Sachen:
- Fahrtenbuch
- Patientenprotokoll/Transportverweigerung
- Verbrauchsliste
- diverse Checklisten
- Transportschein
- Fahrtenschreiber
- Tankliste


Fahrtenbuch
Im Fahrtenbuch, welches in jedem Auto vorliegen sollte, werden für jede Fahrt vom Fahrer ausgefüllt: Kilometerstand Bei Abfahrt,  Kilometerstand bei Ende der Fahrt, gefahrene Kilometer und Unterschrift
Der Fahrer ist für die Richtigkeit der Angaben verantwortlich...

Patientenprotokoll/Transportverweigerung
Das Patientenprotokoll wird für jeden Einsatz ausgefüllt und enthält die folgenden Angaben:
- Daten zum Patienten, also Name, Geb.Dat. etc.
- Daten zum Auto, also Kennzeichen, Fahrer, RettAss/RettSan, Einsatzort, Kilometerangaben, Zeitangaben
- Notfallsituation mit Verdachtsdiagnose
- Einsatzart, also Krankentransport, Verlegung, Straßenunfall, Sportunfall etc.
- Erstbefund mit Angaben zur Bewusstseinslage, Kreislauf, Pupillenfunktion, Schmerzen, EKG, Atmung, Blutdruck, Puls, Atemfrequenz, Sauerstoffsättigung, Blutzucker
- Art der Erkrankung, z.B. Atmung, Kreislauf, Abdomen, Psychatrie etc.
- Art der Verletzung(en), z.B. Prellung, Verbrennung, und die Angabe der Lokalisation, also z.B. Kopf, Becken, Beine etc.
- Durchgeführte Maßnahmen, z.B. stabile Seitenlage, Schocklagerung, Infusion, Sauerstoffgabe etc.
- Angabe, ob die Ersthelfermaßnahmen suffizient oder insuffizient waren oder ob gar keine stattgefunden haben
- eine Tabelle mit für die Dokumentation der Veränderungen von Puls, Blutdruck, Atmung und HDM über einen Verlauf von bis zu 2,5 Stunden
- Angaben zum Medikamentenverbrauch
- Angaben für die Statistik, also z.B. Schweregrad der Verletzung (0 keine Verletzung bis 7 Tot), ob Sondersignal eingesetzt wurde, ob der Transport liegend oder sitzend durchgeführt wurde, etc.
- Angabe, ob und wenn ja wie ein Notarzt bei dem Einsatz tätig war und welcher Notarzt vor Ort war
- Wer zuerst am Einsatzort eintraf, als RTW oder NEF oder beide gleichzeitig
Auf der Rückseite ist ein Transportverweigerungsformular abgedruckt, dass auszufüllen ist, wenn der Patient den Transport verweigert. Es wird vom Patienten unterschrieben

Verbrauchsliste
In der Verbrauchsliste wird erfasst, was vom Wagen verbraucht wurde um die Gegenstände dann wieder nachfüllen zu können.

diverse Checklisten
es gibt für eigentlich alles im RD Checklisten, z.B. Medikamentenchecklisten, Materialchecklisten, Desinfektionschecklisten etc.

Transportschein
Der Transportschein wird normalerweise vom Arzt ausgefüllt um den Patienten transportieren zu lassen. Darauf finden sich z.B. Angaben zum Patienten, was es für ein Transport ist, wohin er gehen soll, was der Patient für eine medizinische Betreuung benötigt beim Transport, ob liegend oder sitzend, welches Beförderungsmittel genutzt werden soll etc.

Fahrtenschreiber
Einige Wagen besitzen einen Fahrtenschreiber, dieser sollte bei Dienstantritt dann entsprechend mit einer neuen Scheibe versehen werden.

Tankliste
Die Autos sollten nie den Tank leer haben. D.h. es gibt eine Tankliste wer wann getankt hat.

Dann haben wir uns die Patientenanhängekarte für Großschadensfälle angeschaut.
Diese Karte ist eine Umhängetasche, auf der Angaben zur Person notiert werden können, die jeweils eine eindeutige Nummer mit Barcode aufgedruckt hat sowie diese Nummer mit Barcode noch als weitere Aufkleber enthält. Außerdem ist noch eine DRK-Suchkarte enthalten, ein Notarztprotokoll und Farben zur Kategorisierung bei der Sichtung durch den Leitenden Notarzt (LNA):
- Weiß: Noch nicht gesichtet
- Grün: leicht verletzt
- Gelb: Schwer verletzt, keine Transportpriorität
- Rot: Akute Bedrohung, Sofortiger Transport
- Blau: Abwartende Behandlung, d.h. keine Überlebenschance
- Schwarz: tot

Danach sind wir ein wenig mehr in Richtung Kommunikation und soziale Kompetenz gegangen.
z.B. besteht der RD zu ca. 1/8 aus Sachen, die man lernen kann, z.B. Anatomie, Gesetze, Sachinhalte, Abläufe, Krankheiten, Fakten, praktische Abläufe und zu 7/8 aus dem folgenden: Erfahrung, Sympathie, Ekel, Unsicherheit, Antipathie, Status, Vertrauen, Vorurteile, Tabus und ungeschriebenen Gesetzen.

Fragetechnik
- offene Fragen stellen, sie fordern den Patienten zum sprechen auf und sollten positiv formuliert werden. Stilmittel wie rhetorische Fragen oder Suggestivfragen sollten vermieden werden.
- geschlossene Fragen erwarten als Antwort ein Ja oder Nein und liefern präzise Informationen

aktives Zuhören
- durch Verstärker den Patienten zum weitersprechen ermutigen, z.B. "hm", "ja", "ach so" etc.
- Die Worte des Patienten sollten umschrieben und nochmal in eigenen Worten zusammengefasst werden
- Verständnisfragen sollten gestellt werden
- man sollte natürlich auch eine dem Patienten zugewandte Körperhaltung einnehmen
- Ein hineinversetzen in den Patienten kann auch sehr hilfreich sein, also "Was empfindet er?", "Was ist ihm wichtig?", "Was beschäftigt ihn?" oder "Welche Interessen verfolgt er mit seinen Äußerungen?".

Spiegeln
Das Ziel des Spiegelns ist es, dass die Lösungen der Probleme vom Betroffenen selbst gefunden werden. Der Betroffene redet über seine Gefühle und Probleme und steuert selbst den Gesprächsverlauf. Der Gesprächspartner verstärkt das ganze dann positiv und zeigt Verständnis. Er fasst dann das gehörte in eigenen Worten zusammen formuliert es um und hört aktiv zu.

Nicht-direktive Gesprächsführung
Unter der Nicht-direktiven Gesprächsführung versteht man, dass man nicht über der gehörte urteilt, nicht beschwichtigt, nicht forschen oder erklären
sondern
Verständnis zeigen, Sicherheit vermitteln, Vertrauen schaffen und Angst nehmen.

Ängste und Sorgen der Kranken
- Angst ums eigene Leben
- Angst um die eigene Gesundheit
- Angst nicht richtig versorgt zu werden
- Angst vor Schmerzen
- Angst abgeschoben zu werden
- Angst vor Unbekanntem
- Sorge um die Angehörigen oder die eigenen Tiere
- Sorge um die Zukunft
- Sorge um den Arbeitsplatz

Patientengespräche werden ggf. erschwert durch:
- Der Patient in ein Unbekannter
- man hat nur kurzzeitigen Kontakt
- der Kontakt ist weitgehend Anonym
- der Patient könnte unangenehme Fragen stellen, z.B. zu seiner Krankheit, Tod, Religion etc.
- der RD-Mitarbeiter ist verunsichert

Der Zweck der Patientengespräche ist eine Vertrauensbasis zu schaffen, Trotz zu spenden, die Angst zu nehmen, für seelische Erleichterung zu sorgen und Sicherheit für den Patienten und den RD-Mitarbeiter zu vermitteln.

Allgemeine Regeln für den Patientenkontakt
- Sicheres Auftreten (bei völliger Ahnungslosigkeit)
- der Patient benötigt eine andauernde Betreuung, d.h. der RD-Mitarbeiter, der zuerst am Patienten ist sollte bis zur Übergabe im Krankenhaus bei ihm bleiben.
- unnötige Schmerzen sollen vermieden werden, also z.B. keinen Zugang legen, wenn er nicht gebraucht wird
- man muss immer höflich bleiben
- der Patient sollte auf schmerzhafte Maßnahmen vorbereitet werden
- und er sollte über den Sinn der Maßnahmen generell aufgeklärt werden
- die Wünsche des Patienten sollten nach Möglichkeit erfüllt werden... D.h. evtl. Tasche packen fürs Krankenhaus o.ä.

Umgang mit Kindern
- eine Bezugsperson sollte anwesend sein, wenn das Kind es wünscht
- das Lieblingsspielzeug sollte mitgenommen werden oder ggf. ein Teddy aus dem RTW dem Kind geschenkt werden
- Das Kind sollte von der eigentlichen Situation abgelenkt und die Verletzungen sollten bedeckt werden
- Die Maßnahmen sollten in einfachen Worten erklärt werden
- eine emotionale Zuwendung sollte stattfinden
- ggf. muss die Bezugsperson beruhigt werden

Umgang mit Älteren
Auch ältere Menschen sollten als individuelle Persönlichkeiten geachtet werden. D.h. sie müssen und wollen ernst genommen werden, werden nicht geduzt und auch nicht mit "Oma" oder "Opa" angeredet. Auf Ausfallerscheinungen muss selbstverständlich Rücksicht genommen werden.

Umgang mit Ausländern
Alle Patienten werden generell mit "Sie" angesprochen. Sollte der Patient evtl. nicht gut Deutsch verstehen ist alles in einfachen Worten zu beschreiben und auf die Sprachschwierigkeiten Rücksicht zu nehmen. Evtl. ist ein Dolmetscher hinzuzuziehen. Auch sollte man unbedingt auf kulturelle Besonderheiten achten.

Umgang mit Behinderten
Auch Behinderte sind gleichwertige Menschen. D.h. sie werden auch mit "Sie" angesprochen. Es sollte auch kein falsches Mitleid oder zwanghaftes ignorieren der Behinderung stattfinden. Die Behinderung sollte bei pflegerischen Maßnahmen berücksichtigt werden und man sollte unterstützen.

Transport psychisch Kranker
Es gibt dort zwei Möglichkeiten. Entweder ist der Transport ist ein normaler Krankentransport, oder der Transport wird durch Polizei oder Gerichtsbeschluss veranlasst. Dem Rettungsdienst selber stehen keine Zwangsmaßnahmen zur Verfügung. D.h. ggf. muss die Polizei hinzugezogen werden. Sollten die RD-Mitarbeiter angegriffen werden dürfen sie sich selbstverständlich wehren. Das ist dann aber detailliert zu dokumentieren.

Umgang mit Depressiven
Bei Depressiven bzw. Selbstmordkandidaten sollte man nicht an den Willen appellieren, keine "guten" Ratschläge geben und auch nichts herunterspielen. Vielmehr sollte das subjektive Gefühl bestätigt werden und die Art und Grenze der Krankheit ansprechen.

Das haben wir also am zweiten Tag gelernt.... Morgen geht es weiter mit Recht/Gesetzen

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